
Die Schanfiggbahn: 26 Kilometer von den Straßen der Stadt in die Stille der Alpen

Die Bahnstrecke von Chur nach Arosa bietet etwas, was keine andere Schweizer Bahn zu bieten hat. Sie beginnt als Straßenbahn, die durch die mittelalterlichen Straßen von Chur am Malteserturm und dem Obertor vorbei fährt, und steigt dann in etwas mehr als einer Stunde um 1.000 Höhenmeter durch das Schanfigg-Tal an. Wenn man in Arosa auf 1.775 Metern Höhe aussteigt, fühlt sich die Kantonshauptstadt wie ein anderes Land an.
Die Arosa-Linie bedient diese Strecke seit 1914. Sie ist eine der markantesten Strecken der Rhätischen Bahn: 26 Kilometer mit engen Kurven, steilen Steigungen und mehreren Viadukten, von denen das spektakulärste 62 Meter über dem Fluss Plessur liegt und unter dem Wagen nichts als Luft zu sehen ist. Der Übergang von Kopfsteinpflaster über Schluchten zu offenen Almwiesen macht diese Fahrt zu mehr als nur einem Transportmittel. Er gibt das Tempo für alles vor, was folgt.
Wie sich die Reise anfühlt
Sie steigen in Chur auf 584 Metern Höhe ein, umgeben vom Trubel der ältesten Stadt der Schweiz. Der Zug gleitet durch enge Gassen, in denen Autos zur Seite fahren, um ihn passieren zu lassen. Ladenschilder und Steinfassaden ziehen in Schrittgeschwindigkeit vorbei. Dann verschwindet die Stadt.
Innerhalb weniger Minuten öffnet sich unter uns die Plessur-Schlucht. Der Fluss hat sich einen tiefen Kanal durch Felsen und Wald gegraben, und der Zug folgt ihm bergauf auf einer Steigung, die so steil ist, dass man spürt, wie sich der Waggon neigt. Fichten und Kiefern rücken auf beiden Seiten näher. Der Klang verändert sich: weniger städtisches Summen, mehr rhythmisches Klappern gegen den Berghang.
Die Siedlungen entlang der Strecke erzählen eine stille Geschichte. Verstreute Walserdörfer wie Fondei, Sapün und Medergen liegen an Hängen oberhalb der Bahnlinie, ihre hölzernen Bauernhäuser sind von Jahrhunderten der Witterungseinflüsse dunkel gefärbt. Das Schanfigg-Tal (lokal als Bergtal Schanfigg bekannt) hat einen Charakter bewahrt, den größere Täler vor Generationen verloren haben. Es gibt einen Walser-Ausdruck für die Kultur hier: „Willkomma bin ünsch”, was so viel bedeutet wie „Willkommen in unserem Zuhause”. Man sieht es an der sorgfältigen Anordnung der Heuwiesen und Holzscheunen, einer Landschaft, die von Menschen geprägt wurde, die Wert auf bedächtige, gemächliche Arbeit legten.
Das Viadukt Langwieser erreicht man nach etwa vierzig Minuten Fahrt. Das sollte man im Voraus wissen, denn die Überquerung dauert nur wenige Sekunden. Als das Viadukt 1914 fertiggestellt wurde, war es mit einer Spannweite von 284 Metern die weltweit erste Eisenbahnbrücke aus Stahlbeton und die damals längste Stahlbeton-Eisenbahnbrücke. Auf dem Papier beeindruckt die Ingenieurskunst, vor Ort fühlt es sich fast wie Fliegen an. Das Tal fällt steil ab, die Plessur ist ein dünner silberner Faden am Grund der Schlucht, und dann ist man schon auf der anderen Seite, wo sich der Wald wieder zu beiden Seiten schließt.
Hinter Langwies wird das Tal breiter. Im Winter sind die Weiden schneebedeckt, im Sommer blühen hier Wildblumenwiesen. Die letzte Etappe nach Arosa verläuft sanfter, der Zug schlängelt sich durch offenes Gelände, bevor er nur wenige Minuten vom Stadtzentrum und Ihrem Hotelzimmer in Arosa entfernt in den Bahnhof einfährt.
Der Gourmet Express: Speisen über der Schlucht
Etwa zweimal im Monat (von Januar bis März wöchentlich) veranstaltet die Rhätische Bahn den Arosa Genussexpress, eine kulinarische Abendfahrt im restaurierten Gourmino-Speisewagen. Der Wagen selbst ist Teil des Erlebnisses: polierte Holzvertäfelungen, weiße Tischdecken – Details, die in modernen Zügen nicht mehr zu finden sind.
Das Menü wechselt monatlich. Im Februar wurde Glühwein mit Rosmarinkastanien als Aperitif serviert, gefolgt von Lauchcremesuppe, Kalbsmedaillons in Rotweinsauce mit Kartoffelpüree und ofengebackenen Karotten. Drei Gänge, serviert während der Zug durch das dunkle Schanfigg-Tal fährt, wo die Lichter der Walser-Dörfer auf den Hügeln zu sehen sind.
Eine Vorausbuchung ist unbedingt erforderlich. Die Abfahrten in den Ferien und die Termine im Winter sind bereits Wochen im Voraus ausgebucht. Der Gourmet Express verkehrt das ganze Jahr über, aber der Winterfahrplan ist am häufigsten und wohl auch am stimmungsvollsten. Es wird früh dunkel, und das warme Innere des Zuges steht in starkem Kontrast zu der kalten Alpennacht draußen vor den Fenstern.
Wissenswertes in praktischer Hinsicht
Setzen Sie sich auf der Fahrt von Chur nach Arosa auf die rechte Seite des Wagens. So haben Sie einen ungehinderten Blick auf die Plessur-Schlucht und den besten Blickwinkel, wenn der Zug sich dem Langwieser Viadukt nähert. Auf der Rückfahrt wechseln Sie auf die linke Seite.
Für den regulären Arosa Line-Service ist keine Reservierung erforderlich. Die Züge verkehren den ganzen Tag über regelmäßig, und eine Abfahrt am frühen Morgen bedeutet sanfteres Licht und weniger Passagiere. Die Fahrt dauert in jede Richtung etwa 63 Minuten.
Inhaber eines Swiss Travel Passes fahren kostenlos und profitieren so von einem der preiswertesten Ausflugsziele in Graubünden. Einzelne Fahrkarten sind auch bei der Rhätischen Bahn erhältlich. Da im regulären Verkehr kein Verpflegungsservice angeboten wird, sollten Sie sich etwas zu trinken mitnehmen oder nach Ihrer Ankunft in einem der Restaurants oder Bars in Arosa einkehren.
Zieh dich in Schichten an. Der Temperaturunterschied zwischen Chur auf 584 Metern und Arosa auf 1.775 Metern ist erheblich, oft zehn Grad oder mehr, und das überrascht viele Leute.
Unterbrechung der Reise in Langwies
Das Viaduktmuseum in Langwies befindet sich im ursprünglichen Bahnhof. Es ist klein und spezifisch: historische Bahnhofsräume, der alte Güterschuppen und Ausstellungen, die dokumentieren, wie das Viadukt gebaut wurde. Sie können in Langwies aus dem Zug aussteigen, eine Stunde lang das Museum und das Dorf erkunden und dann mit einem späteren Zug weiter nach Arosa fahren. Das Museum vermittelt den Kontext dieser kurzen Viaduktüberquerung; man versteht, was es 1914 gekostet hat, eine Brücke dieser Größe in einem so abgelegenen Tal zu bauen.
Langwies selbst ist eine ruhige Walsersiedlung, die einen kurzen Spaziergang wert ist. Die Kirche, die Holzhäuser, der Blick zurück ins Tal in Richtung Chur: Hier lohnt sich eine Pause.
Kombination von Schiene und Wanderweg
Für Gäste, die das Schanfigg-Tal in zwei verschiedenen Geschwindigkeiten erleben möchten, bietet sich der 74 Kilometer lange Schanfigger Höhenweg an, der durch dieselbe Landschaft führt wie die Bahnstrecke und in sechs Etappen mit insgesamt rund 3.500 Höhenmetern unterteilt ist. Sie können mit der Bahn hinauffahren und eine oder mehrere Etappen zurückwandern, sich im Schritttempo durch das Tal bewegen und entdecken, was die Bahn nur andeutet: Almwiesen, kleine Siedlungen, das Läuten von Kuhglocken und plätscherndes Wasser.
Eine kürzere Alternative ist der Schanfigger Dörferweg, ein dreitägiger Dorfwanderweg, der die vom Zugfenster aus sichtbaren Bauerngemeinden in Höhenlagen zwischen 600 und 1800 Metern verbindet. Beide Wanderwege gehören zu den vielen Erlebnissen, die Arosa abseits der Pisten zu bieten hat.
Mehr als eine Zugfahrt
Die Arosa-Linie ist nicht nur ein Transportmittel, um hierher zu gelangen. Sie prägt das Erlebnis der Ankunft. Im Gegensatz zum Auto, das Sie effizient, aber unspektakulär ans Ziel bringt, zwingt Sie der Zug zu einem allmählichen Übergang. Sie beobachten, wie sich die Welt vor Ihrem Fenster verändert: von der Stadt zur Schlucht, zum Wald und zum offenen Alpental. Wenn Sie ankommen, hat sich bereits etwas verändert. Der Rhythmus verlangsamt sich. Die Luft ist anders.
Nach einem Tag in den Bergen oder einem Abend im Spa Arosa wird die Erinnerung an diese Zugfahrt zu einem Teil des Gesamterlebnisses eines Aufenthalts. Die Gäste sprechen über die Überquerung des Viadukts, den ersten Blick auf die weit unten liegende Plessur, den Moment, in dem sich der Wald zu Schneefeldern öffnete. Diese Details bleiben in Erinnerung.
Das Schanfigg-Tal hat dafür einen eigenen Begriff: „entschleunigter Genuss“. Die über hundert Jahre alte Bahnlinie, die noch immer täglich durch dieses ruhige, unberührte Tal fährt, ist vielleicht der reinste Ausdruck davon.
Das Hotel Altein liegt nur wenige Gehminuten vom Bahnhof Arosa entfernt und ist somit der ideale Ort, um sich nach der Ankunft zu entspannen. Steigen Sie aus dem Zug, atmen Sie die Alpenluft ein und innerhalb weniger Minuten sind Sie im Hotel – bereit, die gemächliche Atmosphäre der Schanfiggbahn in den Rest Ihres Aufenthalts mitzunehmen.